Zum 40. Jahrestag der People Power Revolution

Die Ökumenische Philippinen Konferenz (ÖPK) und das philippinenbüro erinnern an den Sturz der Marcos-Diktatur vor 40 Jahren. Nach 21-jähriger Herrschaft—11 Jahre davon mit Kriegsrecht—wurde der philippinische Diktator Ferdinand E. Marcos am 25. Februar 1986 von der US-Regierung vom Präsidentenpalast in Manila ins Exil nach Hawaii ausgeflogen.

Zuvor hatte Marcos versucht, den bereits mehrere Jahre andauernden landesweiten Protesten gegen sein Regime, die Korruption und die Bereicherung seiner Günstlinge sowie die schweren Menschenrechtsverletzungen durch vorgezogene Präsidentschaftswahlen am 7. Februar 1986 zu begegnen. Der offensichtliche Wahlbetrug zu Lasten seiner Gegenkandidatin Corazon Aquino führte zu einem mehrtägigen Volksaufstand gegen die Diktatur. Millionen Menschen demonstrierten und streikten unter täglich wachsender internationaler Anteilnahme zunächst in der Hauptstadt Manila und dann in allen Teilen des Landes. Unterstützt von Kirchen, Geschäftswelt und politischer Opposition blockierten sie mutig das Eingreifen von Polizei und Militär. Als sich Verteidigungsminister Juan Ponce Enrile und General Fidel Ramos, Marcos‘ langjährige und treue Führungsverantwortliche bei den Sicherheitskräften, an die Spitze einer Meuterei des Militärs stellten, war das Schicksal des Diktators besiegelt und Corazon Aquino wurde als neue Präsidentin vereidigt.

Ein demokratischer Neuanfang—der die Freilassung zahlreicher politischer Gefangener ermöglichte und eine neue Verfassung verankerte—wurde durch diese einzigartige Zäsur in der Geschichte der Republik der Philippinen möglich. Doch die Aufklärung politischer Morde und des Verschwindenlassens von Regimekritiker:innen unter Marcos, die Rückforderung von durch den Marcos-Clan und dessen Verbündeten geraubten und veruntreuten Vermögenswerten in Höhe mehrerer Milliarden US-Dollar sowie längst überfällige Reformen wie z.B. die Umverteilung von Landeigentum wurden nur punktuell umgesetzt. Viele Täter:innen und Marcos-Anhänger:innen wurden nie zur Rechenschaft gezogen und mischten bald erneut in der philippinischen Politik mit.

Gemeinsam begleiten wir (die ÖPK seit 1985 und das philippinenbüro seit 1987) den damaligen Widerstand gegen die Diktatur und nach der People Power Revolution den Kampf um Freiheit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit sowie den demokratischen Wandel solidarisch in kirchlichen Partnerschaften und der Zivilgesellschaft in den Philippinen. 40 Jahre nach dem Ende der Marcos-Diktatur halten wir kritisch fest, dass viele mit den Ereignissen vom Februar 1986 verbundene Hoffnungen bis heute nicht erfüllt sind. Menschenrechtsverletzungen, starke soziale Ungleichheit, Straffreiheit, Elitenherrschaft und Korruption prägen die Philippinen auch unter der gegenwärtigen Präsidentschaft von Ferdinand Marcos Jr., dem Sohn des vor 40 Jahren gestürzten Diktators.

Wir solidarisieren uns mit der philippinischen Zivilgesellschaft, die sich trotz anhaltender und methodisch verfeinerter staatlicher Repression nach wie vor für soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte und politischen Wandel einsetzt und sich mit Fakten und Aufklärung gegen Desinformation und Versuche der Geschichtsumschreibung richtet.